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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 03.01.2010 11:46 
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Söldnerin

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Ich folgte "Logan" in die Bar hinein. Sie war mir neu. Ich war hier noch nie gewesen, aber das war nicht wichtig. Wichtig war alleine, was "Logan" jetzt vorhatte. Ich betrat die Bar, als er die Tür zu diesem Nebenzimmer aufstieß und es wohl leer vorfand. Jedenfalls deutete sein "Verdammt" sehr darauf hin. Ich näherte mich ihm und bekam wieder einmal den Beweis für seine hervorragende Reaktion und Instinkte. So schnell wie er herum wirbelte und mich an meinen Schultern fest packte, so schnell war ich nicht in der Lage zu reagieren. Sein Griff war höllisch, aber als er mich erkannte, lockerte er ihn sofort wieder. Ich verzog das Gesicht und erinnerte mich an sein besonderes Skelett. Wie es wohl wäre, wenn er mit voller Kraft zupacken würde? Ich wollte es nicht wissen, denn das hier war schon genug gewesen. Ich bewegte probeweise meine Schultern und sah "Logan" sparsam an.
"Schon klar!"
Dann wandte ich mich dem Wirt zu, der sich uns genähert hatte und gerade damit anfing uns mit einer Tirade von Schimpfwörtern einzudecken. Ich hatte die Schnauze voll und wollte Antworten haben. Ich war ganz in meinem Element und packte den Kerl an seinem Kragen, drückte ihn rückwärts gegen die Theke, zog mit der freien Hand mein Jagdmesser und ließ es im Licht aufblitzen. In meinen Augen glühte es mörderisch auf, als ich den Kerl fixierte.
"Wer war die Frau gerade. Rede, oder ..."
Ich ließ den Rest ungesagt, aber er konnte es sich bestimmt denken. Ich stellte noch etwas fest. Ich fühlte mich so unglaublich wohl, wenn ich das rauslassen konnte, was ansonsten unter der Oberfläche versteckt bleiben musste.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 18.07.2010 18:22 
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Wichtel
Wichtel

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"I...ich weiß es nicht, Mam", stotterte der fette Kerl hinter der Theke, dem bei Jocelyns unvermuteter Attacke die Flüche in der Kehle stecken geblieben waren. Dicke, glänzende Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn. "Ich hab ... hab sie noch nie gesehen!"
Log er? Der Schweiß, das Stottern, die Angst, die man ihm nicht nur ansah, die ich auch roch, hätten Indizien dafür sein können. Aber waren das Hinweise auf eine Lüge? Oder viel mehr eine natürliche Reaktion auf Jocelyns mörderische Entschlossenheit und auf die blanke Klinge, die dem Wirt bereits in den wulstigen Hals schnitt?
Ich erkannte, dass er die Wahrheit sagte. Seine Pupillen waren vergrößert und sein Blick klebte mit einem flehenden Ausdruck auf Joceys Gesicht. Außerdem erging er sich nicht in weiteren Beteuerungen, wie es Kerle taten, die jemanden ganz dringend etwas glauben machen wollten - woher ich das wusste? Fragen Sie mich das nicht, ich tat es einfach.
"Lass ihn gehen, er sagt die Wahrheit."
Ich legte beruhigend meine Hand auf Jocelyns Arm. Ein kurzer Blickkontakt, dann entließ sie den Wirt aus ihrem Griff.
"Los, komm ...!"
Mir war auf einmal daran gelegen zu verschwinden, ehe der dicke Typ die Sicherheit rief. Ganz bestimmt würde er das tun, denn Jocelyn hatte ihn in seinem eigenen Laden tätlich angegriffen. Außerdem konnten wir hier sowieso nichts mehr in Erfahrung bringen. Ein Rückzug war darum besser als unangenehm aufzufallen und mir auch noch meine letzte Option zu verspielen - nämlich die des scheinbar ahnungslosen Observierungsobjekts, das in Wirklichkeit Bescheid weiß. Wir zogen uns also zurück. Doch meine Instinkte waren geweckt. Von nun an würde ich alles und jeden in meiner Umgebung im Auge behalten. Ich wusste vielleicht nicht, wer ich war, aber hier war womöglich der Ansatz, um es herauszufinden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 18.07.2010 20:06 
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Wichtel
Wichtel

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Ein paar Wochen später …

Ich war wieder zu Hause, auf der guten, alten, sicheren Raumstation DS9. Ich hatte meinen Frank zurück und mein Valentinchen … ich hatte meine Bar wieder, meine Tanzerei … es gab keine Cardassianer mehr, keine Borg, keine Vampire oder andere idiotas, die nicht in mein Konzept passten und mir das Leben kaputt machten. Sogar Juan hatte sich verpisst. Wenigstens vermutete ich das, denn seit unserer Rückkehr von diesem verfluchten Gefängnisplaneten hatte ich ihn nicht mehr gesehen.

Alles hätte also so schön sein können!

Aber war es das etwa?
No, war es nicht! Alles war einfach nur schrecklich!
Und warum war es das?
Weil Gott mich nicht mehr liebte. So musste es sein. Oder weil der Teufel ein noch größeres Interesse an meiner Person hatte, denn anders konnte ich es mir nicht erklären, dass alles perfekt war und doch so falsch!

Sicher war ich wieder zu Hause, aber ich fühlte mich trotzdem wie eine Fremde zwischen Frank, Valentina und … Gilly.
Sicher hatte ich meinen Frank zurück, der alles für mich tat, mich umsorgte, mich verwöhnte, mich seelisch und körperlich liebte, aber trotzdem in jeden zweiten Satz das Wort einfließen ließ, das für mich inzwischen schon zu einem Reizwort geworden war: Gilly!
Sicher hatte ich auch meine Tochter wieder, die mich morgens laut krähend weckte und mit mir kuschelte, mir tagsüber am Rockzipfel hing, so wie sich das gehörte und immer wieder ihre kleinen, dicken Ärmchen um mich schlang, egal, ob es mir gerade passte oder nicht. Aber für wen ließ sie mich auf der Stelle stehen, sobald sich auch nur die Gelegenheit bot? Richtig!! Für Gilly!!!
Diese Frau hatte es geschafft, mich in den Wochen meiner Abwesenheit komplett überflüssig zu machen! Alles spielte total verrückt, sobald dieses magere, mäßig attraktive, langweilige Ding auf der Bildfläche erschien! Gilly hier, Gilly da … „Gilly, willst du mit uns essen?“ – „Gilly, du siehst aber heute toll aus! Mit dem Kleid verdrehst du allen Männern auf DS9 unter Garantie den Kopf!“ – „Gilly, was meinst du, soll ich Valentina den Nucki nicht doch noch mal geben? Sie quengelt in letzter Zeit ständig und schläft auch nicht so gut ein ohne ihn.“ … O-Ton Frank! Oder der von Valentina: „Lilly! Lilly! Lilly!!!“ … Kaum dass diese Person zu uns ins Quartier herein marschiert kam! … „Pielen!! Pielen!!! Tecken!! Watze Hex!!!“ Oder in der Erwachsenensprache: „Spielen!! Spielen!!! Verstecken!! Schwarze Hex!!!“ … Ein Spiel übrigens, bei dem Gilly immer ihre engelsblonden Löckchen ausbreitete und schlimme Grimassen zog, was Valentina dann ganz furchtbar zum Lachen brachte – ich hingegen fragte mich dabei jedesmal, ob diese Pantomime möglicherweise eine Anspielung auf Valentinas schwarzhaarige Mutter sein sollte, die mit diesem netten Spiel zur bösen Hexe abgestempelt wurde. Die Vermutung lag zumindest nahe.

Um es kurz zu fassen: Früher hatte ich Gilly schon nicht gemocht, inzwischen hasste ich sie regelrecht! Okay, sie hatte sich in meiner Abwesenheit um Frank und Valentina gekümmert, aber nun war ich wieder da, was machte sie also noch hier? Wieso verschwand sie nicht einfach wieder und ließ uns in Ruhe? Konnte sie nicht sehen, dass wir gerade diese Ruhe ganz dringend brauchten, um wieder zueinander zu finden?
Doch genau das wollte sie ja gar nicht! Sie hatte sich in den letzten Wochen immer mehr in das Leben meiner beiden Schätze gedrängt, hatte getröstet und sich gekümmert, hatte meine Rolle eingenommen und sich quasi unentbehrlich gemacht – und nun, da ich zurück war, überließ sie mir das Feld nicht mehr einfach kampflos, sondern forderte mich heraus. Still und unauffällig, so dass weder Frank noch Valentina es mitbekamen. Doch ich bekam es mit! Mit der Intuition einer eifersüchtigen Frau und Mutter fühlte ich die non-verbale Kampfansage und wusste, dass das Ringen um meine Familie an dem Tag begonnen hatte, an dem sie nach DS9 zurückgekommen war. Und so kämpferisch ich sonst veranlagt war, in diesem ganz speziellen Fall schwanden mein Mut und meine Zuversicht mit jedem Tag ein Stückchen mehr. Ich konnte nicht gegen jemanden gewinnen, der nicht offen gegen mich ins Feld zog, sondern meine Stellung als Ehefrau und Mutter subtil untergrub. Dazu hätte ich ebenso subtil sein müssen – und jeder, der mich kennt, wird wissen, dass ich alles bin, aber nicht das!

Was blieb, waren Ausharren und Zähneknirschen. In der Hoffnung darauf, dass Frank und Valentina der Verlockung dieser blonden Pseudo-Symbiose aus bester Freundin und aufopferungsvoller Ersatzmutter letztlich doch nicht auf den Leim gingen, weil sie wussten, was sie an mir hatten. Dass ihre Liebe zu mir, ihrer zugegebenermaßen launischen, unberechenbaren, unbeständigen Frau und Mama doch stärker war als die vermeintliche Sicherheit und Stabilität, die Gillian Hayes ausstrahlte. Doch diese Hoffnung schrumpfte ebenso wie mein Mut mit jedem Tag ein Stück mehr.
Konnte diese dumme Person nicht einfach der Schlag treffen, so dass sie für immer aus unserem Leben verschwand?

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 12.08.2010 20:30 
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Wichtel
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Der Schlag, der Gillian Hayes hatte treffen sollen, war mir leider nicht vergönnt gewesen. Inzwischen war ich seit über zwei Monaten wieder daheim, aber immer noch brachte sie sich jeden Tag in Erinnerung, in dem sie entweder bei uns auf der Matte stand oder Frank mit irgendeiner blöden Ausrede zu sich zitierte – „Meine Schranktür klemmt … Frank, könntest du bitte mal danach sehen?“ Eh, er ist Sicherheitsleiter und kein Schreiner!!! - oder ihn einfach während der Arbeitszeit in seinem Büro besuchte. Was mir natürlich von diversen Stellen zugetragen wurde … die Raumstation war und ist trotz ihrer Größe ein Dorf.
Gillys Stalkerei war schon fast mehr, als ich ertragen konnte. Was mich aber geradezu verrückt machen konnte, war, dass Frank es nicht nur zuließ, sondern dass es ihm auch noch gefiel. Er badete geradezu in Gillys Aufmerksamkeit! Und dazu musste ich nicht einmal meine emphatischen Kräfte bemühen, das hörte ich an seiner Stimme, sah es an seinem Lächeln, und noch viel mehr wurde es mir durch das Funkeln seiner Augen bestätigt – ein Funkeln, das einmal nur mir allein gehört hatte, das jetzt aber einer anderen Frau galt. Das war eigentlich das Schlimmste von allem!

Diese Veränderung unserer Beziehung, no, dieser veränderte Frank bewirkte natürlich auch in mir eine Veränderung.
Zuerst wurde ich depressiv. Nichts machte mir mehr Spaß, an nichts hatte ich mehr Lust. Ich ging nicht mehr in die Bar, ich besuchte keine Freunde mehr. Stattdessen vergrub ich mich in meinem Quartier und verbrachte Stunden damit, aus dem Fenster ins schwarze Weltall zu starren … als ob dort draußen die Antwort auf die Frage läge, wie ich nur meinen Mann zurückgewinnen konnte.
Danach wurde ich aggressiv und streitlustig. Bei jeder Gelegenheit brauste ich auf – und das waren vor allen Dingen die Gelegenheiten, bei denen besagter hassenswerter Name fiel – zankte herum und warf manchmal sogar mit Dingen um mich. Das führte dazu, dass Frank vor mir zu flüchten begann. Er kam immer später vom Dienst heim und ging nach dem Abendessen immer früher weg. Hauptsächlich mit Daniel, aber manchmal auch mit Gilly. Was ich wiederum von anderen erfuhr.
Auf die Agro-Phase folgte die Trotzphase. Ich begann mein Quartier wieder zu verlassen und auch abends wegzugehen. Hauptsächlich ins El Flamenco, wo ich auch wieder zu tanzen begann und mich sogar voller Verärgerung und Renitenz nach Juan umsah – Valentina ließ ich währenddessen in Marias Obhut. Meinen Tänzer sollte ich vorerst nicht wiedersehen. Er hatte sich irgendwie in Luft aufgelöst, was mich aber nicht wirklich störte, schließlich wäre er zu diesem Zeitpunkt für mich nur Mittel zum Zweck gewesen. Es gab zum Glück noch genügend andere chicos, mit denen ich mir die Zeit versüßen konnte. Nichts Ernstes natürlich, ich ließ keinen an mich heran, denn in meinem Herzen hatte ich mich längst entschieden. Aber das Umwerben und Flirten, die schönen Augen, die sie mir machten und die Anstrengungen, die sie unternahmen, um meine Aufmerksamkeit zu erlangen, taten einfach gut. Sie waren Balsam für meine wunde Seele. Und darum genoss ich diese Abende. Eine Zeitlang. Doch auch das verging.

Das, was blieb und sogar noch immer mehr wurde, war das Gefühl von Einsamkeit. Und Hilflosigkeit. Frank entfernte sich mit jedem Tag weiter von mir, und ich wusste nicht, was ich tun sollte, um das zu verhindern. Ich war dabei, ihn zu verlieren. Diese Vorstellung war schrecklich! Und trieb mich zu einer ziemlich verzweifelten Aktion, über die ich im Nachhinein nur noch den Kopf schütteln kann, weil sie dämlicher war, als man es überhaupt in Worte fassen kann!

Kennen Sie das Sprichwort „Deinen Traummann musst du dir selbst backen?“
Ich tat genau das!
In meiner Hilflosigkeit und Verzweiflung suchte ich Quark auf und bat ihn, mir einen Holo-Frank zu generieren. Einen Holo-Frank! Das muss man sich mal vorstellen! Und zwar einen, der in dem Galeonen-Programm meines mir fremd gewordenen Göttergatten existierte – dass Quark von jedem Programm, das in seinen Suiten lief, illegale Kopien hatte, war allgemein bekannt, wenngleich Frank ihm das bislang nie hatte nachweisen können.
Mit genügend Latinum und ein wenig Augengeklimper und Öhrchenkrabbeln bekam ich, was ich wollte. Eine Woche, nachdem ich ihn in Auftrag gegeben hatte, war mein Traummann fertig. Und ich bereit für mein erstes Date mit ihm. Zu dem ich, genau wie damals bei meinem ersten Date mit dem richtigen Frank, im kurzen Schwarzen ging, das lange Haar offen und das Herz im Wettstreit flatternd mit den Schmetterlingen, die vorfreudig in meinem Bauch Purzelbäume schlugen.
Gleich … gleich würde ich meinen Piraten wieder haben!!!

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 14.08.2010 21:26 
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Wichtel
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Wellenrauschen, Möwengeschrei, eine warme Brise, die das große Segel über mir sanft aufblähte und sich spielerisch in meinem langen Haar verfing … der Geruch von sonnenbeschienenen Holzplanken, ein Hauch von Teer und Salz …

Ich sog die Luft tief in meine Lungen und sah mich aufmerksam um. Alles war so wie früher – was nicht schwer war, da Quark ja eine Kopie des Originalprogramms besaß und diese für mich jetzt nur quasi „erweitert“ hatte – nur der Pirat fehlte noch. Ich hatte Quark angewiesen, dass das Programm erst einmal ohne ihn starten sollte … um mir selbst Zeit zu geben, mich noch einmal gedanklich in die Vergangenheit versetzen zu können und … na ja, im Nachhinein glaube ich, dass ich wahrscheinlich auch noch einen kleinen Moment Bedenkzeit haben wollte, ehe ich meinem selbstgebackenen Traummann begegnete. Denn eigentlich war mir auch damals schon klar, dass ich da etwas ganz Ungeheuerliches losgetreten hatte. Und dementsprechend hatte ich ein bisschen Schiss vor meiner eigenen Courage.

Aber nach fünf, zehn Minuten, in denen ich mich mittschiffs stehend der Stimmung geöffnet hatte, die mich immer ergriffen hatte, wenn ich in diesem Programm gewesen war – wirklich immer – war ich so weit. Noch einmal atmete ich tief durch, dann sprach ich die magischen Worte, die mir meinen Piraten wiedergeben sollten: „Computer … Programmzusatz Cunningham 1 aktivieren!“
Sehr magisch, sogar richtig romantisch, verdad?
Die Luft begann kurz zu flimmern, dann materialisierten sich mit leisem Klingen ein mit weißem Tischtuch, Kerzen und schönem Porzellan gedeckter Tisch und ein großgewachsener Mann vor mir, und mein Herz setzte einen Schlag aus.

Er war es wirklich! Es war Frank, wie er leibte und lebte! So, wie er damals ausgesehen hatte, als er mich zum ersten Mal auf diese Galeone mitgenommen hatte. No, nicht ganz so. Wo er damals eine schwarze Jeans getragen hatte, kleidete heute eine braune, wildlederne Kniebundhose seine Beine. Und den Degen, der jetzt an seiner Seite hing, hatte er damals auch nicht dabei gehabt. Doch das weiße, am Hals weit geöffnete Baumwollhemd mit den Schnüren, die an seiner gebräunten Brust ungebunden herunter baumelten, entsprach dem, das er damals getragen hatte. Genauso wie das süße Piratenbärtchen, das Quark ihm auf meine Bitte hin verpasst hatte. Genauso wie das lange, im Nacken lose zusammen gebundene, braune Haar, wie das männlich schöne Gesicht und die braunen Augen, die mich in einer Intensität anfunkelten, in der ich sie schon ewig nicht mehr hatte funkeln sehen.
Mit weichen Knien und flatterndem Herzen in der Brust machte ich einen Schritt auf ihn zu.
Hola, Señor.“
„Seid mir gegrüßt, Mylady!“ Der Holo-Frank deutete bei dieser Erwiderung lächelnd eine Verbeugung an und ergriff meine Hand zu einem Handkuss. „Ich fühle mich geehrt, dass Ihr meiner Einladung gefolgt seid!“
Dios, er hatte nicht nur Franks Gesicht und Gestalt, er hatte auch seine Stimme!
Aber er quatschte daher, als hätte er einen Spazierstock verschluckt. Hatte ich Quark keine Instruktionen für die Art und Weise gegeben, in denen mein neuer Pirat reden sollte? Offenbar nicht.
Während ich noch darüber nachdachte, ob ich dem Computer diesbezüglich neue Anweisungen geben sollte, zog der Holo-Frank mich an meiner Hand sanft, aber bestimmt mit zum Tisch und rückte dort meinen Stuhl zurecht.
„Wenn Ihr denn Platz nehmen wollt, Mylady? Und mir die Ehre erweisen, mit mir zu speisen?“
Die gestelzte Sprechweise begann mich zu nerven. Ich riss mich von diesen hypnotisierend funkelnden Augen los, räusperte mich und sprach in die Luft hinein: „Computer … die Ausdrucksweise des Piraten dem 24. Jahrhundert anpassen!“
Es zirpte bestätigend. Ich setzte mich auf den dargebotenen Stuhl und antwortete Frank mit einem kleinen Lächeln: „Sehr gern. Ich hab einen Mordshunger!“
Er lächelte ebenfalls … und mein Herz schmolz dahin, weil er jetzt einfach hinreißend aussah. Wann hatte mein echter Frank mich das letzte Mal so angesehen?
„Dann trifft es sich ja gut, dass ich vorhin die Kombüse ausgeräumt und ein bisschen was zu Futtern gefunden hab!“ Schmunzelnd nahm er mir gegenüber Platz und griff nach der gefalteten Stoffserviette.
Juchu, es hatte geklappt, er sprach wie ein Mensch! Jetzt – erst jetzt – bekam ich das Gefühl, vor meinem wirklichen, wahrhaftigen Frank zu sitzen. Und wegen dieser Illusion, die mir in meinem angeschlagenen, emotionalen Zustand so wichtig war, machte ich das alles hier ja überhaupt nur.
„Champagner?“
Er streckte seine Hand mit fragendem Blick nach der in einem hohen, silbernen Kühler geparkten Flasche aus. Auf mein Nicken hin öffnete er sie gekonnt und schenkte er erst mir und dann sich selbst ein.
„Auf die schöne, spanische Prinzessin.“
Ich schluckte bei diesen Worten. Hatte ich die wirklich mit in meinen Roman von Anweisungen gepackt, den ich Quark sozusagen als Programmierhilfe in seine kleinen, gierigen Hände gedrückt hatte? Anscheinend ja.
„Auf den hübschen, verwegenen Seeräuber, der immer mit Warpgeschwindigkeit überrennt!“, antwortete ich ihm leise, wobei ich wie er mein Glas erhob und sachte mit ihm anstieß. Wir nahmen beide einen Schluck, dabei ließen wir uns nicht aus den Augen. Und mit einem Mal war es mir, als hätte es die vergangenen vier Jahre nie gegeben. Als hätte jemand Gnädiges die Zeit zurückgedreht und mir noch einmal einen Neuanfang, einen wirklichen Neuanfang mit Frank Cunningham beschert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 00:31 
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Wichtel
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Wiederum einige Zeit später …

Ich fand mein seelisches Gleichgewicht wieder, und der Grund dafür war Frank.
Nicht mein wirklicher Ehemann Frank, den ich dank unserer unterschiedlichen Freizeitgestaltung so gut wie gar nicht mehr sah, sondern der Pirat, den ich mir hatte generieren lassen. Der zugegebenermaßen zuerst bloß eine mehr oder weniger leere Holohülse war, da ihm einfach das Input fehlte – wenn er auch gut getroffen war, denn Quark hatte mit der Holokamera ganze Arbeit geleistet! Doch mit jedem Tag gewann er an Inhalt. Und dafür war ich verantwortlich.

Ich hatte es mir auf die Fahne geschrieben, den Holo-Frank mit so viel Wissen über unsere „gemeinsame“ Vergangenheit zu füttern, dass ich irgendwann nicht nur bei seinem Anblick, sondern auch in unseren Gesprächen das Gefühl hätte, mit dem richtigen Frank zusammen zu sein. Noch war es nicht so weit, es fehlte noch eine Menge. Aber ich arbeitete daran. Und das fieberhaft!
Jeden Tag erstellte ich Logdateien aus meiner Erinnerung heraus und sammelte so alles Wissenswerte über Franks und meine Beziehung. Stundenlang saß ich in unserem Quartier und schrieb und schrieb – eine verbale Kommunikation mit dem Computer hatte ich aus Vorsichtsgründen von Anfang an ausgeschlossen, damit mein Ehemann nicht zufällig mitbekam, was ich da tat. Außerdem hätte Valentinas häufiges Gequietsche und Gekicher und ihre ständigen Fragen die Aufnahme meiner „Memoiren“ nur gestört. Die Aufzeichnungen ließ ich dann durch den Computer in Holo-Franks Charakter einfließen. So kam es, dass unsere Gespräche mit jedem Mal, wo wir uns trafen, gehaltvoller wurden. Und der Umgang miteinander vertrauter. Liebevoller. Bis es irgendwann so weit war, dass ich vergaß, dass der Pirat vor mir nicht „echt“ war. Und ihn küsste. Ganz recht, ihn küsste. Falls hier nämlich jemand gedacht haben sollte, dass unser erstes Rendezvous auf der Galeone genauso geendet hätte wie das damalige vor vier Jahren – nämlich Frank und ich nackt und eng umschlungen auf dem Bett in der Kapitänskajüte – dann hat er sich geirrt. Heißer, wilder Sex mag ja für die meisten das Reizvollste an einem Holoprogramm sein, doch für mich ging es gar nicht darum. Ich wollte doch nur meinen Piraten wieder haben. Wollte in seinen Augen lesen, wie sehr er mich liebte, wollte seinen jungenhaften Charme und seinen ansteckenden Übermut zurück … Eigenschaften, die der reale Frank in dieser Zeitlinie völlig verloren zu haben schien. Bueno, es ging mir zuerst nicht darum. Aber mit der wachsenden Vertrautheit wuchs auch das Bedürfnis, ihm körperlich näher zu kommen. Was man vielleicht verstehen kann, wenn man bedenkt, dass sich zwischen meinem Ehemann und mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich viel abspielte. Und der Holo-Frank ja nun einmal darauf programmiert war, in mich verliebt zu sein und eben ein Pirat war und kein Mönch.

Und so kam es schließlich zu diesem ersten Kuss, der gar nicht beabsichtigt, aber wohl unausweichlich gewesen war. Am Strand einer einsamen Insel, auf der wir bis dahin Hand in Hand barfuß durch den warmen Sand geschlendert waren, beschienen von einer rotgolden untergehenden Abendsonne, umweht von einer lauen, leicht nach Salz schmeckenden Brise …
Nach Salz schmeckte Franks Kuss hingegen so gar nicht. Ganz im Gegenteil! Ich hatte in dem Moment, wo seine Lippen sich auf meine legten und sein Mund den meinen sanft eroberte, das Gefühl, nie etwas Süßeres gekostet zu haben.
„Ich liebe dich, Prinzessin.“
„Und ich liebe dich, mi pirat.“
Leises, zärtliches Gemurmel zwischen zwei Verliebten, Nasenspitze an Nasenspitze, eng umschlungen …
„Meinst du, wir sollten eine Familie haben? Eine kleine, eigene?“ Franks Stimme war immer noch ein zärtliches Raunen. Doch das bekam ich über seine unerwarteten Worte nur noch am Rande mit. Ich schluckte.
„Eine Familie?“
„Ja. Du, ich … und vielleicht noch eine kleine Prinzessin dazu. Oder ein kleiner Pirat. Was meinst du, hm? Wir sollten es noch einmal versuchen. Es muss nicht zwangsläufig so sein, dass du das Kind wieder verlierst, weißt du.“
Ich schluckte gleich noch mal. Franks aktueller Wissensstand war der, dass wir verheiratet waren und ich unser erstes Kind weit vor der Geburt verloren hatte. Die Fehlgeburt hatte mir damals sehr zugesetzt – uns beiden – aber wir hatten es überwunden, so, wie wir alle anderen Schwierigkeiten auch überwunden hatten. Manche gut, manche weniger. Dass er jetzt von sich aus vorschlug, es noch einmal mit einem Kind zu versuchen, war von seiner Warte aus nur verständlich. Für mich hingegen, die ich ja bereits eines mit ihm – oder besser gesagt, mit seinem Original – hatte, war es schrecklich, denn was sollte ich ihm jetzt sagen, ohne ihn zu verletzen? Gleichzeitig war das ein Moment, der mir bewusst machte, dass das, was ich hier tat, moralisch doch eigentlich sehr verwerflich war. Wovor ich ja sonst geflissentlich die Augen verschloss.
„Ich .. ich weiß nicht, Paco“, antwortete ich ihm zögernd und kuschelte mich dabei an seine warme Brust, den Kopf unter seinem Kinn, damit ich ihm nicht in die Augen sehen musste. „Ich denke, dass ich noch etwas Zeit brauche.“
„Ist schon gut“, flüsterte er an meinem Ohr, und ich fühlte, wie er mich auf mein Haar küsste. „Wenn du noch nicht bereit dazu bist, dann warten wir eben noch etwas. Wir haben doch alle Zeit der Welt.“
Mein Kehle schnürte sich zu, weil ich mich mies zu fühlen begann. Ich war unehrlich – nicht nur zu meinem wirklichen Frank, sondern auch zu meinem selbstgebackenen. Und würde es voraussichtlich auch weiterhin sein müssen, immer mehr, je ähnlicher der neue Frank dem alten werden würde. Wollte ich das? Gemessen an dem faden Geschmack in meinem Mund lautete die Antwort nein. Ich schmiegte mich noch einmal eng an Frank und lauschte auf seinen beständigen Herzschlag. Dann löste ich mich von ihm.
„Computer … Ausgang!“
Es zirpte, und dann erschien wie gewünscht der Ausgang der Holosuite, umrahmt von der Computerkonsole. Ohne Frank noch einmal anzusehen, verließ ich die Suite – und ohne das Programm zu beenden, was ich sowieso hätte tun müssen, ehe ich den Ausgang verlangte. Denn dann hätte ich nicht einen ziemlich verwirrten Piraten zurückgelassen, so, wie es jetzt der Fall war. Aber das ahnte ich in diesem Moment noch nicht. Das sollte ich erst später erfahren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 09:31 
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Leiter der Sicherheit

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Unsere Familie blieb zusammen, aber sie war ganz gewiss nicht das, was ich mir erhofft hatte. Lag es an mir alleine? Ich war mir nicht sicher. Aber in den Wochen, in denen Carmen hinter Cortez her geflogen war, hatte ich mich offensichtlich verändert. Natürlich lag mir das Wohl meiner Tochter als erstes am Herzen. Aber ist das nicht normal, wenn man Vater ist? Sollten die Kinder nicht an allererster Stelle stehen? Ab und zu hatte ich das Gefühl, dass Carmen es gar nicht gefiel, dass ich mich so auf Valentina fixierte. Es war ja nicht so, dass ich Carmen nicht liebte. Ich liebte sie wirklich sehr, jedoch fühlte auch ich die Distanz, die mich davon abhielt, mich dieser Liebe bedingungslos hinzugeben. Immer noch verspürte ich Zweifel bezüglich Carmens Entscheidung, denn immer noch stand Cortez Gegenwart zwischen uns. Ich wusste nicht, ob Carmen ihn noch einmal getroffen hatte, nachdem sie zurück gekehrt war. Aber ich wusste, wo Cortez sich aufhielt. Ich wusste es durch Manolo, denn mit ihm hatte ich ein paar Mal gesprochen. Ich hatte Carmen nichts davon erzählt. Aus zwei Gründen. Grund eins war nur all zu bekannte Grund, nämlich, dass ich Angst hatte, dass Carmen wieder auf Cortez überwechseln würde, sobald sie wusste, wo er war und was er anscheinend im Begriff war zu tun. Der zweite Grund war Manolos Bitte, Carmen nichts davon zu erzählen. Es hatte mir sehr gut gepasst, dass er mich in unserem letzten kurzen Gespräch darum gebeten hatte, denn auch er befürchtete, dass Carmen sich sofort wieder versuchen würde einzumischen, sobald sie wusste, was er und Cortez vorhatten.
Manolo und Cortez hielten sich vorzugsweise im sogenannten Outback auf. Dies war der etwas anrüchigere und gefährlichere Teil der Promenade. Die Sicherheit war dort zwar häufig präsent, aber die Verbrechensquote war dort dennoch erheblich höher, als auf der ganzen restlichen Station zusammen. Es hatte dort in der letzten Zeit zwei Morde gegeben und wir hatten dort ermittelt. Bei einer dieser Ermittlungen war mir Manolo über die Füße gestolpert und ich hatte ihn aufgehalten, weil ich wissen wollte, was er dort zu suchen hatte. Zuerst, weil ich überrascht gewesen war, dass er sich auch nicht mehr bei Carmen gemeldet hatte, dann aber auch, weil ich wissen wollte, wo Cortez sich aufhielt. Ich musste es einfach wissen, denn ich wollte alles dafür tun, dass Carmen nicht mehr in die Gefahr kam, diesem Tänzer zu erliegen und mir damit auch Valentina wieder wegzunehmen. Es mag ein wenig unfair sein, dass ich so dachte, aber wie schon erwähnt, die Zweifel in mir waren stets und ständig präsent. So hatte ich eine ständige Präsenz im Outback eingerichtet, die mir berichten sollten, sobald einer von beiden, Manolo oder Cortez, dort auftauchten. Außerdem hatte ich den Verdacht, dass Cortez etwas mit einem der Morde zu tun hatte. Dieser letzte Mord war mit einer antiquierten Waffe ausgeführt worden und ich wusste, dass Cortez solche Waffen bei sich trug. Vor allem aber, wurde das Opfer mit Sektion 31 in Verbindung gebracht und von Manolo wusste ich, dass er und Cortez auf der Suche nach einer Verbindung zu Sektion 31 waren. Sie wollten sich an ihnen rächen, für das, was sie Cortez und Manolo angetan hatten. Ich billigte dieses Vorgehen ganz sicher nicht, aber ich konnte ihnen nichts nachweisen. Etwas, was sich bald ändern sollte, aber wenn ich das zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätte, wäre ich wahrscheinlich an diesem Tag nie ins Büro gegangen und hätte mit Carmen die Station verlassen, um zu unserem Haus auf Bajor zu fliegen.
Noch eine seltsame Sache, die sich mir nicht erschließen wollte. Bevor Carmen auf diese Söldnertour gegangen war, hatte sie so sehr darauf gedrängt, auf Bajor zu wohnen. Zumindest an den Wochenenden und im Urlaub. Ich hatte ein wunderschönes Haus am Meer gefunden, es gekauft und auch einrichten lassen. Aber seit Carmen zurück war, waren wir erst ein einziges Mal dort gewesen. Anscheinend war ihr das überhaupt nicht mehr wichtig gewesen. Ob das mit Cortez’ Anwesenheit auf der Station zusammen hing? Wieder eine Frage, welche die Zweifel in mir wach hielt.
Unsere Wege führten immer mehr auseinander und ich spürte deutlich, dass Carmen auch nicht ganz glücklich mit dieser Familie war. Die letzten Wochen waren nervenaufreibend gewesen und oft hatte ich mir gewünscht, dass Carmen ein wenig von Gillys Bodenständigkeit hätte. Gilly war endlich wieder zu einer festen Konstanten in meinem Leben geworden und ich genoss unser Zusammensein sehr. Bei ihr brauchte ich nicht aufzupassen, was ich sagte. Mit ihr konnte ich über meine Zweifel reden, denn sie verstand mich und hatte mir schon den einen oder anderen Rat erteilt. Valentina mochte Gilly ebenso sehr und wenn sie da war, konnte ich endlich gelöster sein und alles andere ein wenig verdrängen. Vergessen konnte ich es nicht und das war vielleicht der Grund, wieso unsere kleine Familie zwar funktionierte, aber weit davon entfernt war perfekt und überglücklich zu sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 10:21 
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Es war ein Verbindungsmann von Sektion 31 gewesen und ich hatte ihn in der Tat erschossen. Aber ich hatte ihn nicht einfach so umgebracht. Es war Notwehr gewesen. Doch das würde mir niemand glauben, denn niemand würde mir abkaufen, dass der Mann Kontakte zu Sektion 31 gehabt hatte. Wir hatten ihn aufgespürt und von ihm hatten wir erfahren, dass etwas Großes in Planung war. In naher Zukunft würde sich Sektion 31 etwas näher mit DS9 befassen, weil Präsident Connors hier eintreffen wollte. Immer noch gab es eine Planung, diesen Präsidenten abzusetzen, oder ihn einfach umzubringen, falls der andere Plan keinen Erfolg haben würde. Das alles hatten wir mehr oder weniger vorher schon gewusst, aber jetzt waren wir einen großen Schritt weiter, denn wir hatten Namen erhalten. Dass der Kerl versucht hatte, mich umzubringen, und sich damit zu retten, hatte ihn das Leben gekostet. Die letzten Wochen hatten wir uns so gut wie unsichtbar gemacht. Ich hatte mich nicht mehr in Carmens Nähe begeben, weil ich fest davon überzeugt war, sie vergessen zu können ... zu wollen. Aber ich belog mich selbst, denn in fast jeder Nacht sah ich sie vor mir. Ich sah sie und die kleine chica im Garten meines Hauses in Sevilla. So wie es hätte sein können, hätte sie sich nicht für diesen Offizier entschieden. Hätte sie nicht ihr Wort gebrochen und mich verlassen. Ich hatte alles für sie und ihre hija – Tochter – getan. Ich hätte mein Leben für sie gegeben und ich liebte sie immer noch mehr als mein Leben. Auch wenn ich erfolglos versuchte, mir etwas anderes einzureden. Manolo mied dieses Thema und das war auch gut so. Vorrangig war unsere Rache an Sektion 31 und ich würde nicht eher ruhen, bis wir damit Erfolg haben würden. Diese cabrones mussten für das bezahlen, was sie mir angetan hatten.
Nach meiner Ankunft hatte LaPlace den Chip aus meinem Kopf erfolgreich entfernt. Danach hatte ich einige Tage mit Wissenslücken zu kämpfen und mit mörderischen Schmerzen, aber all das hatte ich beiseite gedrängt und war mit Manolo auf die Suche gegangen. Im Outback waren wir schließlich fündig geworden und hatten endlich einen Erfolg verzeichnen können.
Nur einmal noch, hatte ich Carmen gesehen. Verborgen vor ihrem Blick hatte ich auf der Promenade in einer Nische gestanden und sie und die kleine chica beobachtet. Ich hatte es getan, um mich selbst zu testen und dieser Test war gründlich in die Hose gegangen. Der Schmerz bei ihrem Anblick hatte sich förmlich durch mein Herz gefressen und es hatte mich große Überwindung gekostet, nicht zu ihr zu gehen, um noch einmal alles zu versuchen, sie zurück zu gewinnen. Aber ich hatte mich zurück gehalten und sie hatte mich nicht gesehen. Valentinas Lachen hatte noch lange in mir nachgeklungen und wieder einmal hatte ich Gott verflucht, mir das alles genommen zu haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 10:53 
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Irrlicht

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„Computer … Ausgang!“
Verwirrt blickte ich bei diesen Worten auf Carmen hinab. Computer? Ausgang?
Meine Verwirrung geriet noch größer, als ich plötzlich mitten auf dem Sandstrand eine Erscheinung in Form einer seltsamen Tür hatte, durch die meine Prinzessin verschwand, nachdem sie sich wort- und blicklos aus meiner Umarmung gelöst hatte.
„Carmen? … CARMEN!!“
Ich lief ihr nach, völlig irritiert von dem Geschehen. Aber zu spät. Noch ehe ich sie erreichen konnte, schloss die Tür sich hinter ihr und … verschwand!
Wie vor eine Wand gelaufen prallte ich zurück und starrte auf das Nichts vor mir. Strand, Palmensaum, roter Abendhimmel, Wasser … mehr war da nicht mehr. Hatte ich das gerade geträumt? Hatte ich mich so sehr nach Carmen gesehnt, dass ich mir nur vorgestellt hatte, sie in meinen Armen zu halten und zu küssen?
Ihr süßer Geschmack lag noch auf meiner Zunge. Nein, ich hatte das nicht geträumt. Sie war gerade noch hier gewesen, und jetzt war sie weg. Wo war sie hin? Was war das für eine seltsame Tür gewesen, die wie von Zauberhand erschienen war und sich nur einen Moment später wieder in Luft aufgelöst hatte, nachdem Carmen sie durchschritten hatte?
Die Panikattacke, die mich kurzfristig übermannen wollte, unterdrückte ich energisch. Panik konnte ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Ich musste logisch vorgehen – was hatte Carmen noch zuletzt gesagt, ehe sie verschwunden war?
„Computer … Ausgang!“
Ich wiederholte ihre Worte laut. Und zuckte zusammen, als diese seltsame Tür erneut erschien, jetzt jedoch gute zwei Meter weiter weg als zuvor.
Ich zögerte. Würde ich auch durch diese Tür gehen und Carmen damit folgen können?
Wieso bist du überhaupt dadurch gegangen, Prinzessin? Warum bist du nicht bei mir geblieben?
Ich wusste es damals nicht, aber es war das erste Mal in meinem „Leben“, dass ich bewusst dachte.
Mit verengten Augen fixierte ich das unheimliche Portal. Egal, was auch dahinter lag, es würde mich nicht davon abhalten, meiner Frau zu folgen. Entschlossen ging ich darauf zu, und ich zögerte nun auch nicht mehr, als die Tür sich vor mir öffnete und den Blick auf einen merkwürdigen Gang dahinter frei gab. Doch als ich durch diesen „Ausgang“ – Ausgang von was auch immer – hindurch schritt und mein rechter Stiefel sich plötzlich in Nichts aufzulösen begann – in NICHTS! – sprang ich mit einem erschrockenen Schrei zurück. Das Tür schloss sich wieder, und dann löste sie sich wiederum in Luft auf. Mit aufgerissenen Augen starrte ich auf die Stelle, an der ich mich eben noch auch beinahe in Luft aufgelöst hätte.
Was zur Hölle …? … Carmen, verdammt!! Wo bist du? Was zum Henker ist hier los?

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 14:05 
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Wichtel
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Dass ich vergessen hatte, das Holoprogramm abzustellen, fiel mir erst im Quartier ein – und auch erst, als mein Blick auf Valentinas Spielsachen fiel, die den Wohnraum wieder einmal kunterbunt verschönerten. Valentina … Kind … Franks Frage nach einer Familie …
Mierda – Scheiße“, murmelte ich. Laut sagte ich, während ich ins Badezimmer ging, um dort die Dusche anzustellen: „Computer, das Programm in Holosuite zwei deaktivieren!“
“Autorisation?“
Wie, Autorisation? Wieso musste ich eine Autorisation nennen, nur um ein blödes Programm abstellen zu können? Die Antwort kam mir im gleichen Moment: Es wäre sonst ja jeder Person möglich, Holoprogramme in den Suiten abzustellen – egal, ob es die eigenen waren oder die anderer. Wenn man sich also nicht IN einem Programm befand, so wie ich eben noch, musste man zum Deaktivieren eine Berechtigung haben.
Frank hat die ganz sicher, ging es mir sarkastisch durch den Kopf, während ich die Dusche wieder abstellte. Aber Quark musste auch eine haben – schließlich war er der Betreiber der Suiten, und wahrscheinlich kam es hin und wieder mal vor, dass jemand vergaß, das Programm zu beenden. Da musste er ja dazu in der Lage sein. Vielleicht hatte er es sogar so eingerichtet, dass sich die Programme, wenn keine Biosignatur mehr in der Suite zu verzeichnen war, nach einer gewissen Zeit von selbst abschalteten. Darauf konnte ich mich allerdings nicht verlassen. Ich würde Quark einfach kontaktieren und ihm sagen, er solle in der Suite Nr. 2 die Schotten dicht machen. Basta!

Mit flotten Schritten kehrte ich in den Wohnraum zurück und ging zum Comterminal. Doch nachdem ich es angeknipst hatte, zögerte ich. Mir kam da nämlich noch ein ganz anderer Gedanke …

Frank – der Holo-Frank – hatte gesehen, wie ich die Suite verlassen hatte. Und es musste ihn reichlich irritiert haben … um nicht zu sagen, von den Socken gehauen. Wahrscheinlich fragte er sich jetzt, wohin ich verschwunden war und was das für ein seltsames Gebilde von Tür gewesen war, das ich mit einem Befehl an den Computer aus dem Nichts gezaubert hatte. Ob er vielleicht sogar versucht hatte, mir zu folgen?
Es reichte nicht, das Programm zu beenden. Der Holo-Pirat hatte Dinge gesehen, die er nie hätte sehen dürfen, und das musste ich korrigieren. Ich musste wieder in die Suite zurück und dem Computer dort, bei aktiviertem Programm, sagen, dass er Franks Gedächtnis löschen musste. Ob das wohl partiell ginge? Sagen wir, die Eindrücke der letzten Viertelstunde eliminieren? Oder würde seine Festplatte komplett geputzt werden und ich wieder bei Null anfangen müssen bei ihm? Nur gut, dass ich alle Zusatzinformationen, mit denen ich seinen Charakter in den letzten Tagen gefüttert hatte, auf Datensticks verwahrt hatte. Das würde mir eine eventuelle Neuprogrammierung doch erheblich erleichtern.

Ein kurzer Blick auf meine Armbanduhr – es war gerade halb vier nachmittags, und Valentina würde erst in einer Stunde vom Kindergarten heim kommen – und ich verließ mein Quartier wieder, um zur Holosuite zurückzufliegen. Wieso war ich nur manchmal so gedankenlos und sprunghaft?

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 14:44 
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Irrlicht

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Nein, es gab keine zeitabhängige, automatische Deaktivierung, die mich praktischerweise abgeschaltet hätte, denn ich war noch immer da. Und ich war nicht tatenlos geblieben.

Nachdem ich mich von meinem Schock erholt hatte, hatte ich diesen „Ausgang“ noch einmal herbei gerufen, doch hatte ich nicht wieder versucht, hindurch zu gehen. Stattdessen hatte ich das Gebilde intensiv studiert und auch vorsichtig einige glatte Flächen berührt. Das hatte zur Folge gehabt, dass plötzlich eine seltsam monotone Frauenstimme erklungen war, die mich angesprochen hatte.
“Bitte spezifizieren Sie die Art der Alteration!“
Verwundert hatte ich mich nach der Sprecherin umgesehen, aber niemanden entdecken können. Alteration? Das lateinische Wort für Veränderung. Wieso werde ich aufgefordert, etwas zu verändern, hatte ich mich gefragt. Und von wem?
„Wer spricht da?“, hatte ich laut gefragt und mich dabei wieder umgesehen.
Ein seltsames Zirpen war gefolgt, dann hatte ich zur Antwort erhalten:“Bitte spezifizieren Sie Ihre Anfrage!“
Was gab es da zu spezifizieren? Meine Frage war doch ganz klar formuliert!
„Mit – WEM – rede – ich?“, hatte ich es daraufhin etwas betonter und mit einem Anflug von Gereiztheit versucht.
“Mit dem Computer der Raumstation Deep Space Nine“, hatte die nächste Antwort gelautet, aber die war für mich noch unverständlicher gewesen als alles, was die unsichtbare Frau zuvor von sich gegeben hatte. Ein Computer? Eine Raumstation? Was zur Hölle sollte das sein? Wir waren auf keiner Station, wir waren auf einer kleinen, karibischen Insel, die ich mit der Galeone angesteuert hatte, um hier mit Carmen am Strand spazieren zu gehen!
Ich hatte das alles nicht auf die Reihe bekommen. Aber ich war auch nicht gewillt gewesen, vorschnell aufzugeben. Ich hatte un-be-dingt wissen wollen, was hier vor sich ging. Was es mit dieser seltsamen Tür und dieser Raumstation auf sich hatte. Und mit diesem „Computer“. Also hatte ich beschlossen, erst einmal diesen Dingen auf den Grund zu gehen, ehe ich diese Frau fragte, wohin Carmen entschwunden war. Um zu begreifen, was hier geschah.
„Was ist ein Computer?“, hatte ich also als nächstes gefragt, unbewusst bei Adam und Eva anfangend, aber das war ganz gut so, denn damit hatte ich mir das Fundament für ein Grundverständnis meiner Existenz geschaffen. Allerdings vermengte sich dieses Grundverständnis mit jeder weiteren Frage an den Computer mit Fassungslosigkeit, als ich schließlich zu begreifen begann, wer und was ich wirklich war. Als die Erkenntnis dämmerte, ließ ich mich bestürzt mit dem Hintern in den Sand fallen. Das war der Moment, wo die Tür, die noch immer völlig unpassend auf dem Strand stand, sich wieder öffnete und Carmen zurückkam. Mit dunklem Blick sah ich ihr entgegen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 20:46 
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Wichtel
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Den Blick kannte ich! Frank hatte bereits etwas herausgefunden, vielleicht sogar mehr, als mir lieb war, denn er sah mich mit dieser düsteren Ruhe an, die ihn stets umgab, wenn er sauer war. Sauer auf mich!
Ich schluckte und blieb stehen, kaum dass ich die Tür durchschritten hatte. Gute drei Meter trennten mich von Frank.
„Hallo Carmen. Schön, dass du zurück gekommen bist.“
Seine Stimme war ebenso ruhig wie sein Blick. Ein Außenstehender hätte jetzt meinen können, alles wäre in Butter. Aber ich kannte ihn besser. Er war definitiv sauer – nicht nur Quark, sondern auch ich mit dem Herumfeilen an seinem Charakter hatte ganze Arbeit geleistet!
„Ich … ich hab was vergessen“, brachte ich etwas heiser hervor und begann dabei unbewusst, an meinem Oberschenkel den Stoff meines Sommerkleides zu zerknautschen.
„Ach ja? Das Licht auszumachen, vielleicht?“
Dios mio, er weiß es!!, durchzuckte es mich. Wieso weiß er es bereits? Ich war doch höchstens fünfzehn, zwanzig Minuten weg!!
Si, aber diese fünfzehn, zwanzig Minuten hatten ihm völlig gereicht, um die Zusammenhänge zu begreifen. Ich hatte vergessen, mit wem ich es zu tun hatte! Mit Frank nämlich, der, wenn sein Misstrauen erst einmal geweckt war, nicht ruhte, bis er Klarheit hatte. Ein echter Bluthund eben. Darum war er auch Leiter der Sicherheit auf DS9. Der richtige Frank. Und dieser hier, der ihm ja so sehr ähneln sollte, dass ich mich der Illusion hingeben konnte, er wäre mein Mann, war nun mal genauso clever.
Panik machte sich in mir breit.
Sag dem Computer, er soll sein Gedächtnis löschen! Komplett!! SOFORT!!!
Bei jeder anderen Holofigur hätte ich den Vorsatz sofort in die Tat umgesetzt. Ich wollte es auch jetzt … aber da waren diese braunen Augen, in denen ich neben Vorwürfen auch Liebe las. Und Hoffnung. Hoffnung darauf, dass das alles letzten Endes vielleicht doch nicht so schlimm sein würde, wie es sich jetzt abzeichnete. Hoffnung auf ein Happy End. Ich konnte dem Computer nicht befehlen, Frank seine Erinnerungen zu nehmen und damit jedes Gefühl für mich. Ich hätte es nicht ertragen, wenn mich diese Augen nur eine Sekunde später völlig leer und regungslos angeblickt hätten.
Langsam ging ich auf Frank zu und setzte mich vor ihn in den Sand.
„Du hast den Computer gefragt, verdad?“, fragte ich ihn leise.
Er nickte stumm, und sein Blick brannte sich durch meine Augen hindurch in mein Herz.
„Was hast du ihn gefragt?“
„Alles, Carmen.“
Naturalmente. Und der Computer hatte ihm detailliert Auskunft gegeben. Aber hatte Frank auch begriffen? Bis ins Letzte sicher nicht. Die Antworten, die ihm der Computer nicht hatte geben können, würde er sich jetzt allerdings von mir holen.
Du solltest ihn jetzt wirk-lich löschen! Ehe alles noch viel komplizierter wird!
„Und du weißt jetzt, wer … was … du bist?“
Frank wiegte den Kopf zuerst vage hin und her, aber schließlich nickte er.
„Ich denke schon. Ich bin … nicht echt, oder? Ich bin ein Programm. Eine Ansammlung von Bits und Bytes. Nullen und Einsen. Eine elektronische Simulation von Leben. Ist es nicht so?“
Dios, klang das vielleicht schrecklich! So … theoretisch.
Ich holte tief Luft. Und schüttelte den Kopf.
No, so ist das nicht. Nicht nur. Du bist mehr als das.“
„Erklär es mir.“
Drei kleine Worte … eine schlichte Bitte darum, ihm zu verraten, warum er war. Aber was zog das alles nach sich! Wohin würde das führen?
Darüber hättest du dir früher Gedanken machen sollen, chica! Ehe du ihn erschaffen hast!
Wie so oft bei mir, kam auch diese Einsicht reichlich spät. Aber immerhin, sie kam. Und damit die Reue. Doch auch das Verantwortungsbewusstsein, das in mir sehr ausgeprägt ist. Ich hatte und habe in meinem Leben schon oft Mist gebaut, zum damaligen Zeitpunkt natürlich auch, aber noch nie hatte ich mich aus der Verantwortung gestohlen! Und das wollte ich auch jetzt nicht tun. ‚Ich denke, also bin ich.’ Ein ebenso schlichter Satz, doch genauso wie das „Erklär es mir“ mit Folgen verbunden, deren Ausmaß ich jetzt noch nicht absehen konnte. Nur, dass ich Frank nun nicht mehr einfach wie ein misslungenes Hologramm löschen konnte. Denn wenn man Descartes’ Aussage zu Grunde legte, war aus dem leblosen Programm Frank in dem Moment ein Lebewesen geworden, als er sich seiner selbst bewusst geworden war – vor gut fünfundzwanzig Minuten, schätzungsweise. Ich hatte damit sozusagen Gott gespielt, eine Vorstellung, die mir als gläubiger Katholikin gedanklich die Haare zu Berge stehen ließ und mir einmal mehr Visionen vom Höllenfeuer bescherte, in dem ich ohne Zweifel nach meinem Ableben schmoren würde. Es galt erneut, Schadenbegrenzung zu betreiben. Den Bockmist, den ich in meiner Selbstsucht und Gedankenlosigkeit verursacht hatte, irgendwie wieder zu bereinigen. Doch das würde in diesem Fall ganz sicher nicht leicht werden.
„Es ist wahr“, begann ich nach einem kleinen Moment Bedenkzeit, den Frank mir schweigend gewährt hatte. „Du bist ein Programm, das ich habe schreiben lassen. Und das ich täglich weiterentwickelt habe, indem ich dem Computer gesagt habe, welche charakterlichen Eigenschaften du haben sollst und über welches Wissen du verfügen sollst.“
Franks Blick war wieder dunkler geworden – was aber auch kein Wunder war bei dem, was ich ihm offenbarte. Ich beeilte mich hinzuzufügen: „Aber … nun bist du nicht mehr nur das. Du hast dich durch meine Nachlässigkeit weiter entwickelt. Du … du hast Fragen gestellt. Das tust du immer noch. Du bist damit zu einem Individuum geworden.“
„Zu einem Individuum wie du?“
Ich erkannte den Anflug von Bitterkeit in seiner Stimme. Er war mir einfach zu vertraut.
No, nicht wie ich. Ich bin aus Fleisch und Blut. Du hingegen aus Energie. Dass ich dich trotzdem berühren kann, liegt daran, dass die Holoemitter in dieser Suite in der Lage sind, nicht nur dein Bild zu projezieren, sondern deine Energie auch in Materie umwandeln.“
„Ich bin doch nichts weiter als eine Simulation, nicht wahr? Ich soll so aussehen wie ein Mensch, soll mich so anfühlen, aber ich BIN keiner.“ Die Bitterkeit in Franks Stimme verwandelte sich in Wut. Er wurde lauter, heftiger, wenngleich er noch nicht wirklich schrie. Aber davon war er nicht mehr weit entfernt. „Ich bin nur ein SPIELZEUG, das du nach Belieben an- und ausschalten kannst, wenn dir der Sinn danach steht! Und das du irgendwann auf den MÜLL werfen wirst, sobald du es leid bist. Stimmt’s, Carmen? So ist es doch! WIRST du mich auf den Müll werfen? Wirst du mich einfach löschen lassen, jetzt, wo ich Bescheid weiß und dabei bin, STRESS statt SPASS zu machen?“ Er beugte sich unvermutet vor, packte mich an meinen Oberarmen und rüttelte mich kurz. „SAG es mir, Carmen! WIRST du es?“
Erschrocken starrte ich in seine Augen, die mir jetzt äußerst nah waren und in denen sich Wut mit Verzweiflung vermengte.
„Ich … NO! Ich werde dich nicht löschen. Das werde ich ganz bestimmt nicht.“
Würde er mir glauben? Ich meinte es ehrlich.
So plötzlich, wie er mich gepackt hatte, ließ er mich los und stand auf. Er ging ein paar Schritte durch den Sand, dann blieb er stehen und fuhr sich mit einer Hand durch sein halb gelöstes Haar – eine Geste, die mir nur zu vertraut war und die mich jetzt um so mehr traf.
Du versaust es dir auch mit JEDEM Frank, chica! Dafür hast du echt ein Händchen!
Selbst bei dem hier, den ich doch wirklich nur geschaffen hatte, um Spaß zu haben – nicht DEN Spaß, na ja, noch nicht, aber gut fühlen hatte ich mich wollen. Wieder das Gefühl haben wollen, von Frank geliebt und begehrt zu werden. In seinen Augen versinken, in seinen Armen liegen, seine tiefe, warme Stimme zu hören, die mir schöne Dinge sagte. War das denn verdammt noch mal zu viel gewesen, was ich da gewollt hatte? Und wenn mein wirklicher Mann mir das alles nicht mehr gab, wenn er seine ganze Liebe nur noch unserer Tochter schenkte und den Rest an positiven Gefühlen, der noch übrig blieb, dieser Gilly, war es mir da zu verdenken, dass ich die Möglichkeiten einer Holosuite nutzte, um auch ein bisschen Liebe abzubekommen? Andere Frauen gingen unter solchen Umständen fremd, ich hingegen suchte doch nur meinen Mann … den Mann, in den ich mich damals verliebt hatte. Der mich vor diesem Klamottengeschäft überrannt hatte. Der mich auf diese Galeone entführt hatte. Mich auf Bajor geheiratet hatte.
Tränen schossen mir in die Augen und verwischten mir die Sicht auf Franks Rücken.
„Ich habe das nicht gewollt, Paco“, beteuerte ich ihm. „Ich habe nicht richtig nachgedacht. Ich … ich wollte nicht, dass du verletzt wirst.“
Ich drückte mich aus dem Sand hoch und ging zu ihm. Dicht hinter ihm blieb ich stehen und widerstand dem Drang, meine Arme um ihn zu schlingen. Der echte Frank hätte das in diesem Moment nicht geduldet, und dieser hier dann wohl auch nicht.
„Warum, Carmen? … Warum hast du das getan?“
Seine Wut war verschwunden, aus seiner Stimme und seiner Haltung. Wo er eben noch bis ins letzte angespannt gewesen war, waren seine Schultern jetzt herab gesunken und sein Kopf gebeugt. Mir fiel ein, dass ich ihm nicht nur Franks Aussehen und Charakter gegeben hatte, sondern auch seine Gefühle zu mir. Es musste ihn gerade völlig fertig machen zu erkennen, dass diese Gefühle nicht echt waren, er aber dennoch nichts dagegen tun konnte. Und dass die Liebe, die er in seinem Herzen trug, keine Zukunft hatte.
“Meinst du, wir sollten eine Familie haben? Eine eigene, kleine?“
Diese Frage hatte er mir vor einer guten halben Stunde gestellt – und sie machte nur allzu deutlich, was er sich wünschte. Ein Traum, der gerade wie eine Seifenblase geplatzt war, denn auch er begriff, dass Familienplanung in einer biologisch-holographischen Beziehung doch eher ans Unmögliche grenzte.
„Ich … ich habe niemandem weh tun wollen“, beantwortete ich leise seine letzte Frage an mich. „Ich wollte einfach nur glücklich sein.“ Mit meinem Mann, der einmal so war wie du, es aber nicht mehr ist – das hätte ich noch hinzufügen müssen, um komplett ehrlich zu sein, aber irgendwie hatte ich gerade den Eindruck, ihm mit dieser Information jetzt das Genick zu brechen. Er war ja nicht einmal ein Produkt meiner Phantasie, sondern nur eine Nachbildung eines real existierenden Menschen! Mit anderen Worten, außerhalb dieser Holowelt lief der Traummann, den ich mir hier generiert hatte, noch einmal herum und war sogar mit mir verheiratet. Wie würde mein Holopirat wohl darauf reagieren? Ich wollte das in diesem Augenblick nicht herausfinden.
„Und da hast du dir diese Welt hier erschaffen und mich dazu“, schlussfolgerte Frank und klang dabei resigniert. Er drehte sich zu mir um und sah traurig auf mich herab. „Hast mir Erinnerungen gegeben, die du dir ausgedacht hast und Gefühle, die ich für dich haben sollte.“
Ich nickte, den Blick jetzt gesenkt, weil ich nicht länger in diese Augen blicken konnte. Sein Zeigefinger legte sich unter mein Kinn, und er hob mein Gesicht wieder an.
„Ich mag vielleicht nicht wirklich existieren, und das, was ich für dich empfinde, mag nur programmiert sein … aber es fühlt sich echt an, Carmen. Für mich tut es das. Für mich ist es Liebe, immer noch. Und du bist für mich auch immer noch meine Frau, die ich auf Bajor geheiratet habe.“
Sein Blick veränderte sich erneut, während er das sagte – neben der Trauer funkelten Liebe und Entschlossenheit darin. Carajo, wie kann ein Mann bloß so ausdrucksvolle Augen haben?
„Ich … könnte das ändern, wenn du willst“, flüsterte ich, nun nicht mehr in der Lage, woanders hinzusehen als in diese sherryfarbenen Tiefen. „Ich müsste dem Computer nur sagen, dass er diese Gefühle in dir löscht.“
„Ich will aber nicht, dass du es änderst, Carmen.“ Die Entschlossenheit war jetzt auch seiner Stimme anzuhören. Ich fühlte seine Hand in meiner Taille. Sanft zog er mich zu sich heran.
„Ich habe keine Ahnung, was das alles jetzt für mich bedeutet. Oder wie es weiter gehen soll mit uns. Mit mir. Aber ich habe nichts anderes als meine Liebe zu dir, Carmen. Und die Vergangenheit, die du mir gegeben hast. Wenn das jetzt gelöscht wird, kannst du mich auch gleich ganz abschalten. Weil ich dann keinen Grund mehr habe, weiter zu existieren.“
Zitternd atmete ich durch.
„Ich … ich könnte dir einen anderen Grund geben. Dir eine andere Vergangenheit geben. Eine andere Liebe.“
Ein kleines Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln, das traurig und zugleich amüsiert war.
„Will ich auch nicht. Ich will dich! Die gemeinsame Vergangenheit mag ja an mir vorüber gezogen sein, aber die Zukunft wird das nicht. Du hast es vorhin selbst gesagt, ich kann mich weiterentwickeln. Ich habe es schon getan, indem ich mir meiner selbst bewusst geworden bin und mir Fragen gestellt habe. Ich bin ein Individuum. Eines, das du berühren kannst, das dich berühren kann …“, sachte streichelte er mir mit seinem Daumen über die Wange, dann beugte er sich zu mir herab und küsste meine Lippen zärtlich. „ Sag mir eines, Carmen …“, raunte er dabei an meinem Mund, „ … bin ich dir egal? Bin ich für dich nur ein Spielzeug? Oder empfindest du etwas für mich? Sei ehrlich!“
Sein Kuss hatte sich elektrisierend echt angefühlt, seine Nähe tat es sowieso. Heiser gab ich zur Antwort: „Du bist mir nicht egal, Paco. Ganz und gar nicht.“
Dass ich ihn lieben würde, das konnte ich ihm nicht sagen, denn diese Liebe galt immer noch dem wahren Piraten, und ich befürchtete auch, diesen Frank hier mit einem Liebesschwur, dessen Erfüllung sowieso völlig unmöglich war, nur noch mehr ins Unglück zu stürzen. Aber Gleichgültigkeit konnte ich auch nicht heucheln. Er hätte mich sowieso sofort durchschaut – immerhin war er eine originalgetreue Kopie Frank Cunninghams!
„Das ist doch schon was“, erwiderte er lächelnd und zog mich nah zu sich. „Betrachten wir es als eine Gelegenheit.“ Und wieder näherte sich sein Mund dem meinen. Wie hypnotisiert starrte ich auf seine Lippen und wartete auf den Moment der Berührung. „Nimm, was du kriegen kannst …“, flüsterte er noch, ehe er mich wieder küsste, „ … und gib nichts zurück!“

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 15.08.2010 23:57 
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Irrlicht

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Ich war immer noch aufgewühlt, als Carmen ging – und dieser Zustand änderte sich auch erst einmal nicht, denn ich hatte mir von ihr noch ein wenig Zeit erbeten, um über meine Situation nachdenken zu können. Wozu ich ja nicht in der Lage war, wenn ich abgeschaltet wurde, weil mein Bewusstsein dann nun mal auf Eis gelegt wurde. Carmen hatte mir diese Zeit zugestanden, wahrscheinlich hauptsächlich wegen ihres schlechten Gewissens. Sie hatte den Computer angewiesen, das Programm noch eine halbe Stunde weiterlaufen zu lassen und es erst nach Ablauf dieser Zeit zu deaktivieren. Mir kam diese Frist wie eine Galgenfrist vor, jetzt, wo ich wusste, dass ich danach erst einmal so gut wie hirntot sein würde – ein echt gruseliger Gedanke. Das war wohl der Preis für das Wissen, das ich nun in mir trug. Allerdings einer, den ich so ohne weiteres nicht zu zahlen bereit war. Ich musste etwas unternehmen, um dem Hirntod zu entgehen. Und dafür hatte ich nur dreißig Minuten Zeit.

Ich zwang meine Gedanken fort von meiner leichtsinnigen, gutmeinenden und viel zu verführerischen Schöpferin, die soeben mit wippendem Rock durch den Ausgang der Suite verschwunden war und konzentrierte mich auf das Wesentliche. Ich musste so viel wie möglich über das Wesen meiner Existenz in Erfahrung bringen. Über die Grenzen, die es - wie ich bereits beim Versuch, die Holosuite zu verlassen, erfahren hatte - für mich gab, vor allen Dingen aber über die Möglichkeiten, die ich hatte. Dabei war mir, wie gesagt, eines am wichtigsten: Ich wollte herausfinden, wie ich es verhindern konnte, abgeschaltet zu werden. Über mein Bewusstsein wollte ich selbst bestimmen, niemand anderes durfte das tun!
Mir fiel ein, dass Carmen den Computer mündlich über das Abschalten instruiert hatte. Ob er auch Befehle von mir entgegen nehmen würde? Ich beschloss, es zu versuchen.
„Computer?“
Es zirpte, aber das besagte noch nichts. Mit ihm kommuniziert hatte ich ja eben auch schon.
„Den Zeitpunkt des Abschaltens um eine halbe Stunde verlängern!“
“Bestätigt!“
Meine Augenbrauen flogen vor Überraschung in die Höhe. Einfach so? Ich gab dem Computer Befehle, und er führte sie einfach aus? Ich war natürlich froh darüber, aber es kam mir auch irgendwie seltsam vor. Carmen war ein Mensch aus Fleisch und Blut, ich nur ein Programm. Ich bezweifelte stark, dass es den Holosimulationen möglich gemacht worden war, an dem Programm, dessen Inhalt sie waren, herumzufummeln. Wenn ich mir vorstellte, was und wen man alles in so einer Suite simulieren konnte, erschien mir das doch zu riskant. Wieso also konnte ich es? Es gab einen einfachen Weg, das herauszufinden.
„Computer … wieso akzeptierst du meine Befehle?“
Die direkte Art war oft die beste. Die Antwort des Computers überraschte mich allerdings erneut.
“Stimmenmustererkennung des Sicherheitsleiters Commander Frank Cunningham positiv.“
Des Sicherheitsleiters Commander Frank Cunningham?
Frank Cunningham, das war mein Name, ja. Und dass der Computer meine Stimme erkannte, war ebenfalls verständlich, denn sie war ja so einprogrammiert. Aber wieso Sicherheitsleiter, wieso Commander?
Ein dumpfes Gefühl begann sich in meinem Bauch auszubreiten – zum zweiten Mal an diesem Tag und für meinen Geschmack ganz sicher einmal zu viel. Eine Ahnung, dass mir die nächste Hiobsbotschaft bevorstand. Wollte ich die hören? Ich hatte wohl keine Wahl.
Vorsorglich setzte ich mich wieder in den Sand – ich wusste zwar nicht, ob Hologramme ohnmächtig werden konnten, aber ich wollte auch nichts riskieren.
„Computer … bitte mehr Angaben über den Sicherheitsleiter Commander Frank Cunningham!“
“Commander Frank Benjamin Cunningham, geboren Sternzeit 16457,8 in Canterbury, England, Bruder: Mike Cunningham, Eltern: Admiral George und Moira Cunningham, Abschluss der Sternenflottenakademie mit Auszeichnung Sternzeit 47579,2, danach zwei Jahre Dienst bei der Sicherheit auf der U.S.S. Freedom, seit Sternzeit 49673,2 Dienst als Sicherheitsleiter auf DS9, verheiratet mit Carmen Cunningham, geborene Esteban, ein Kind.“

Wenn ich vorhin gesagt habe, dass mir die nächste Hiobsbotschaft bevorstand, dann war das nicht ganz treffend ausgedrückt. Der nächste Tritt in den Magen trifft es weitaus besser!
Es gab mich zweimal! Oder eher, es gab einen richtigen Frank Cunningham, und ich war sein hologeneriertes Abziehbild! Das war der Hammer!!!

Es war gut, dass ich bereits saß! Fassungslos griff ich mir mit beiden Händen an den Kopf und starrte aufs offene Meer hinaus … oder das, was man für das offene Meer halten konnte, in Wahrheit war es ja bloß ein Bild.
„Oh Mann, Carmen …“, stöhnte ich leise auf. „Was hast du da bloß angerichtet?“
Ich brauchte einen Moment, weil mir mein Schädel zu brummen begann – irgendwo war das alles zu viel auf einmal. Doch schließlich tropfte die Erkenntnis in mein Bewusstsein … das Begreifen um den wahren Stand der Dinge …
Sie war verheiratet, und zwar mit meinem Original. Und sie hatte bereits eine Familie … das Kind, das ich mir für uns beide so sehr gewünscht hatte. Da war kein Platz mehr für mich. Keine gemeinsame Zukunft, die ich trotz dieser ganzen Holoscheiße noch nicht ganz begraben hatte. Jetzt allerdings konnte ich das getrost tun. Denn wenn sie bereits einen Frank Cunningham hatte und ein Kind dazu, wozu brauchte sie dann noch mich?
Aber wenn sie dich gar nicht braucht, warum hat sie dich dann erschaffen? Wieso gibt es dich dann überhaupt?
Ich begann zu verstehen, dass die gemeinsame Vergangenheit, die sie sich angeblich für mich ausgedacht hatte, gar nicht ausgedacht war, sondern ihrer eigenen entsprach. Der Vergangenheit, die sie mit dem anderen Frank geteilt hatte. Das Kennenlernen, das Abendessen im Efendi, die Galeone, die Verlobung, die Hochzeit auf Bajor … das gehörte ihr und ihm. Verdammt, hätte ich es nicht ahnen müssen? Mir wurde nämlich gerade bewusst, dass es damit bei mir endete. Ich hatte ganz klare Erinnerungen an diese Momente, aber was dazwischen lag, wusste ich nicht. Klar, dachte ich sarkastisch, während ich weiter aufs Meer hinaus starrte. Wie auch? Für mehr hat die Zeit wahrscheinlich noch nicht gereicht. Dauert schließlich ein Weilchen, so viele Informationen zusammenzutragen und dann auch noch den Computer damit zu füttern. Du hättest sie fragen sollen, seit wann du existierst. Fünf Tage? Sechs? Willst doch schließlich deinen Geburtstag kennen, oder?
Und was war mit den bösen Erinnerungen? Sie war doch verheiratet – in guten Zeiten wie in schlechten, so hieß es doch! Die hatte sie bei mir wohlweislich geschlabbert! Hätte mich das nicht auch misstrauisch machen müssen? Und wieso hatte sie die so vehement aus der Programmierung ausgeklammert?
Vielleicht ist die große Liebe hinüber. Vielleicht hat sie dich deshalb programmieren lassen? Weil es mit ihrem Mann nicht mehr läuft, weil die schlechten Zeiten die guten mittlerweile überwiegen und sie darum die Zeit zurückdrehen will?!
Ich wusste in diesem Moment nicht, wie nah ich mit dieser Spekulation der Wahrheit kam. Es war für mich bloß eine logische Schlussfolgerung und keine Gewissheit. Noch nicht. Aber es reichte, um mir doch wieder ein bisschen Hoffnung zu machen. Okay, sie war verheiratet und hatte ein Kind. Aber sie war nicht glücklich verheiratet, sonst hätte es mich nicht gegeben. Einen völlig anderen Mann wollte sie aber auch nicht. Sondern ihren Mann so, wie er einmal gewesen war. Der Zug bei Mister Sicherheitsleiter war offenbar abgefahren. Die Gelegenheit für mich? Darauf würde ich es ankommen lassen.

Dieser Entschluss war wie ein Energieschub für mich. Ich sprang auf meine Beine und sprach den Computer wieder an.
„Computer … ist es möglich, ein Bild von Commander Frank Cunningham zu sehen?“
Wäre der Computer ein lebendes Wesen, hätte er sich inzwischen wohl längst darüber gewundert, dass Frank Cunningham Informationen über Frank Cunningham haben wollte. Aber da der Computer auch nur aus Bits und Bytes bestand, war es ihm wohl egal.
“Positiv!“
Neben der Tür flimmerte etwas auf, und ich ging hin, um es mir anzusehen. Ein dunkelhaariger Mann mit braunen Augen blickte mir entgegen, aber obwohl seine Physiognomie der meinen entsprach, fand ich nicht, dass ich ihm glich. Er sah älter aus. Ernster. Und der kurze Vollbart, den er trug, unterstrich diesen Eindruck noch. Ich hätte ihn als Außenstehender eher für meinen älteren Bruder gehalten als für mein Ebenbild. Aber das bestätigte meine Vermutung nur, dass Carmen mit meiner Person in die Vergangenheit zurückgereist war.
„Computer – ein Bild von Carmen Cunningham zeigen!“
Das Foto wechselte und zeigte mir meine Prinzessin. So, wie ich sie kannte – mit ihrem langen, schwarzen Haar und ihren ausdrucksvollen schwarzen Augen, ihrer kleinen, edlen Nase und ihrem sinnlich geschwungenen Mund. Ich berührte das Bild mit meinen Fingerspitzen und lächelte wider Willen. Aber dann schüttelte ich den Kopf und murmelte tadelnd: „Was hast du nur getan, Carmen? Wie hast du nur so ein Chaos anrichten können?“
Ich atmete tief durch, schließlich forderte ich den Computer noch einmal zu einem Fotowechsel auf.
„Computer – ein Bild von Frank und Carmen Cunninghams Kind!“
Es flimmerte erneut, und ein kleines Mädchen von vielleicht zwei Jahren lachte mich herzig an. Die gleichen schwarzen Haare wie seine Mutter, das gleiche süße Gesicht. Nur die Augenfarbe, die hatte es vom Papa. So hätte EUER Kind ausgesehen. Wieder lächelte ich, diesmal jedoch bitter. Auch das Gesicht des kleinen Mädchens berührte ich mit meinen Fingerspitzen.
„Computer …“, meine Stimme war leise und wackelig, „ … wie heißt das Kind?“
“Valentina Francisca Juanita Cunningham.“
Valentina …
“Hallo, kleine Prinzessin. Du wirst mal genauso schön wie deine Mama werden.”
Ich betrachtete das kleine, niedliche Gesichtchen noch eine Zeitlang versonnen, aber schließlich riss ich mich zusammen und von dem Bild los. Ich musste mir was einfallen lassen, wie ich die Kontrolle über mich selbst bekam. Ich musste mich informieren. Über Holoprogramme, Programmierung, Möglichkeiten. Es hatte vielleicht auch was Gutes, dass ich elektronisch war. Vielleicht würde ich so schneller verstehen? Würde mir die Informationen besser besorgen und sie effizienter verarbeiten können? Würde einen Weg finden, wie ich meine Grenzen überwinden konnte? Der Umstand, dass der Computer mich dank meiner Stimme für den Sicherheitsleiter hielt, machte es mir um einiges leichter. Ich würde schon ein Schlupfloch finden, in dem ich der Abschaltung meines Bewusstseins entgehen konnte. Und ich würde eine Sicherung für mein Programm finden, die ein Löschen unmöglich machen würde. Und vielleicht würde ich ja sogar einen Weg finden, der mich aus dieser Suite heraus und in Carmens Welt hinein bringen würde. Auch die neuesten Entdeckungen hatten mich nicht von diesem Ziel abbringen können. Aber eines nach dem anderen. Erst einmal musste ich ein paar Vorkehrungen zu meiner eigenen Sicherheit treffen. Danach würde ich mich um einen Ausweg kümmern.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 16.08.2010 10:02 
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Irrlicht

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Die Luftschleuse öffnete sich zischend und entließ die Passagiere des Personenfrachters auf die Station. Mit ihnen schlenderte ich gemächlich über den Gang und schaute mich erst einmal aufmerksam um. Hier also hatte es Rancor hin verschlagen. Wie er hierher gelangt war, war noch ungeklärt. Aber dass er hier nicht alleine auf der Station war, das wusste die Firma bereits. Sie hatte ihn gesehen und beobachtet und berichtet, dass eine Frau mit ihm zusammen gewesen war. Und über diese Frau gab es in der Firma sogar eine Akte. Diese Frau hatte diverse Male sogar für die Firma gearbeitet, denn sie war niemand geringerer als Schakal. Eine eiskalte Profikillerin, welche vor zweieinhalb Jahren für Monate von der Bildfläche verschwunden gewesen war. Nicht einmal die Firma hatte heraus finden können, wo sie gesteckt hatte und man hatte bereits angenommen, dass sie ums Leben gekommen war. Aber dem war nicht so. Denn plötzlich war Jocelyn Sanders alias Schakal wieder aufgetaucht. Im Dienste des Söldners John Parrish. Trotz aller Bemühungen war es der Firma nicht gelungen, mehr über Schakals Verschwinden heraus zu finden. Die Anwesenheit Schakals war der Grund gewesen, mich auf die Station zu schicken. Diese Killerin war nicht zu unterschätzen und auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hielt, dass sie nicht mehr als Killerin arbeitete, so durfte man sie dennoch nicht unterschätzen. Ihre Fähigkeiten hatten sie über Jahre an der Spitze in dieser Branche gehalten und das musste man erst einmal schaffen. Doch nun war ich hier, um Rancor wieder in den Schoß der Firma zurück zu bringen. Er war einfach zu wertvoll für sie, als dass sie ihn einfach so davon kommen lassen würden. Man hatte in dem Bericht vermerkt, dass er offensichtlich unter Amnesie litt und es war an mir, ihm vorzuspielen, dass ich alles über seine Vergangenheit wusste und damit sollte ich ihn ködern, mich wieder zurück zu begleiten. Aber ich musste vorsichtig vorgehen und durfte nichts überstürzen. Sie werden sich sicher fragen, wieso man dann einfach nur eine Frau geschickt hat, wo Rancor und Schakal doch so gefährlich sind. Nun, ich bin nicht ganz so wehrlos, wie ein normaler Mensch. Auch ich besitze Fähigkeiten, die mir einen gewissen Vorteil gegenüber normalen Menschen einräumen. Sobald ich mich verletze, regeneriere ich mich schneller als normal. Wunden heilen innerhalb von Sekunden und auch schwere Verletzungen brauchen dazu nicht sehr lange. Dazu besitze ich noch die Fähigkeit der Telekinese. Sie sehen, ich bin durchaus geeignet, Rancor wieder zurück in den Schoß der Firma zu bringen. Wenn es das nur alleine wäre.
Noch während ich darüber nachdachte, wie ich weiter vorgehen sollte, erreichte ich mit anderen Passagieren den Turbolift und stieg ein. Ich entschied mich zuerst in mein Quartier zu fahren, um mich ein wenig frisch zu machen. Danach würde ich auf die Suche nach Rancor gehen und dann würde ich erleben, was er war.
Vielleicht ein Held?

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil III
BeitragVerfasst: 16.08.2010 13:56 
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Wichtel
Wichtel

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Prustend spuckte Sando den Cappuccino durch die Gegend.
„Du hast WAS??? – Sag mal, chabori, bist du noch ganz dicht? Du weißt, dass das illegal ist!“
Ich hatte meinem Herzen Luft machen müssen und war nach meiner Aussprache mit Frank Nr. 2 zu Sando ins Quartier gefahren, Valentina auf dem Arm, die ich kurz davor am Kindergarten abgeholt hatte. Ich wäre sonst geplatzt. Ich hatte einfach mit jemandem darüber reden müssen, und von all meinen Freunden und Bekannten war Sando der einzige, bei dem ich davon ausgegangen war, dass er meine Beweggründe verstehen und mein Tun nicht verurteilen würde. Aber da hatte ich mich wohl vertan.
„Ausgerechnet du kommst mir mit illegal, he?“, schnappte ich mit düsterem Blick zurück. „DU bist die Illegalität in Person! Also spar dir die Moralpredigt!“
Sando stellte die Tasse beiseite und wischte die koffeinhaltige Bescherung, die soeben wie ein Sprühregen auf den Wohnzimmertisch niedergegangen war, salopp mit seinem Ärmel ab.
„Ja, auf mich mag das zutreffen. Aber auf DICH nicht! Außerdem bin ich nicht mit dem Chef der Sicherheit verheiratet. Was glaubst du, was los ist, wenn dein Francisco das raus kriegt? Von rechts wegen müsste er dich deshalb anzeigen.“
„Das muss er GAR nicht, er ist mein Ehemann!“, argumentierte ich heftig, aber innerlich nicht halb so überzeugt, wie ich klang.
„Du verwechselst da was, Carmen. Was du meinst, ist sein Aussageverweigerungsrecht, und das kommt erst später. Nachdem die Anzeige erfolgt ist!“
Ich bezweifelte nicht, dass Sando Recht hatte. Er kannte sich mit dem Gesetz ziemlich gut aus – musste er auch, so oft, wie er es brach.
„Aber darum geht es doch jetzt gar nicht“, wiegelte ich seine Argumentation ungeduldig ab, dabei drückte ich Valentina ein Plätzchen in die Hand und schickte sie wieder in die Spielecke, die Sando in seinem Quartier für mein Kind eigens eingerichtet hatte. „Was geschehen ist, ist geschehen. Ich bin hier, damit du mir sagst, was ich jetzt weiter tun soll!“
„Ihn löschen.“
„Kommt ja gar nicht in Frage!“
„Wieso nicht? Er ist nur ein Programm. Wenn du ihn jetzt löschst, ist noch alles in Butter. Nichts passiert. Cunningham hat keine Ahnung, und so wird es auch bleiben. Und du musst dir keine Gedanken mehr darüber machen, was wäre, wenn.“
„Ich werde ihn NICHT löschen!“
„Wieso denn nicht? Ist er so gut im Bett, eh?“
Wäre Valentina nicht im Raum gewesen, ich hätte Sando meinen Cappuccino ins Gesicht gekippt. So aber riss ich mich mühsam zusammen. Und zischte: „Ich habe NICHT mit ihm geschlafen. Klar? Dafür habe ich ihn nicht programmieren lassen!“
„Nicht?“ Sando lehnte sich mit einem süffisanten Lächeln auf dem Sofa zurück und schlug die Beine übereinander. Wieder überkam mich dieser Drang, meinen Cappuccino in seine Richtung zu kippen. „Aber wozu denn dann? Wozu generiert man sich einen Holocharakter, wenn nicht, um mit ihm zu vögeln? Es sei denn natürlich, man braucht ihn für ein Kampftraining. Aber vergib mir, chabori, wenn ich das in deinem Fall ausschließe.“
Das war mal wieder so typisch Sando! Er dachte an nichts anderes als an Sex, Drogen und Deals, bei denen er absahnen konnte. Wieso saß ich überhaupt hier und redete mit ihm?
„Ich wollte Frank zurück, okay?“, fuhr ich ihn an.
„Ach, und dafür musst du dir einen Holotypen schreiben lassen? Deinen Frank hast du doch schon längst! Morgens, abends, nachts … oder erträgst du die Stunden, die er im Büro verbringt, nicht ohne ihn? Also für meinen Geschmack klettest du da ein bisschen zu sehr, jeli. Man kann es auch übertreiben.“
„Es geht mir nicht darum, ihn auch tagsüber um mich herum zu haben“, erklärte ich Sando gereizt. „Ich will Frank zurück, so, wie er früher war. Okay? Wie er war, als wir uns kennenlernten. So … verspielt, so liebevoll … so …“, ich versuchte, es in Worte zu fassen, „ … so … piratig eben!“
Sandos linke Augenbraue wanderte in Verwunderung nach oben.
„Mit anderen Worten, dein Göttergatte ist dir zu langweilig geworden? Tja, jeli, das hätte ich dir schon eher sagen können, dass so was passieren wird. Das ist der Ehealltag. Was glaubst du, warum ich mich nie fest gebunden habe?“
„Das ist es nicht“, Sando verstand mich nicht, oder er wollte mich nicht verstehen. „Frank ist anders als früher. Anders als der … andere Frank. Aus meiner ersten Zeitlinie. Meiner ursprünglichen.“ Mein Zigeunerfreund war durchaus informiert über das, was ich in den letzten vier Jahren durchgemacht hatte – einer der wenigen, denen ich mich je offenbart hatte.
„Aah …“, kam es jetzt gedehnt von ihm, und sein Gesicht nahm einen wissenden Ausdruck an. „Ich verstehe. Cunningham spurt nicht mehr so, wie du es gerne hättest. Er trägt dich nicht mehr auf Händen und hechelt dir nicht mehr hinterher. Er hat seinen eigenen Kopf bekommen, endlich Eier in der Hose, und das gefällt dir nicht. Damit hast du ein Problem.“
Ich sah es kommen, dass Sando gleich ein Problem haben würde, und zwar mit mir, wenn er weiter so einen Stuss daher reden würde!
Zähneknirschend erwiderte ich: „Das ist totaler Unsinn, und das weißt du auch! Ja, ich mag manchmal etwas eigensinnig und starrköpfig sein, und ich habe es vielleicht auch hin und wieder ganz gerne, wenn die Dinge so laufen, wie ich es will, aber Frank war NIE so, wie du ihn jetzt beschrieben hast! Er hatte IMMER Eier in der Hose!“
Das musste ich doch wohl am besten wissen.
„Aber früher“, fuhr ich energisch fort – ich war gerade in Fahrt gekommen, „früher hatte in seinen Augen LIEBE gelegen, wenn er mich angesehen hatte. Heute lese ich nur noch Zweifel. Heute SPÜRE ich nur noch Zweifel, und verdammt, Sando, du weißt, dass ich seit meiner Schwangerschaft emphatisch bin! Ich rede mir nichts ein, okay? Er hat sich meilenweit von mir entfernt, und diese blöde Kuh Hayes tut ihr Übriges dazu, dass das so bleibt!“
„Ja, schon gut. Hab ich begriffen. Aber mal ganz ehrlich, deine wochenlange Suche nach Cortez – ausgerechnet nach Cortez – war auch nicht besonders hilfreich im Hinblick auf eure Ehe, oder? Wenn du befürchtest, dass eine andere Frau dir deinen Offizier weg schnappt, dann bleib demnächst einfach mit deinem Hintern zu Hause! So einfach ist das!“
Scheißmacho!, fuhr es mir angepisst durch den Kopf. Ich entgegnete schnippisch: „Hayes ist ja erst aufgetaucht, als ich schon WEG war!“
„So’n Pech aber auch!“
Diese ganze Unterhaltung machte keinen Sinn. Ich stand auf und ging zu Valentina, die mir ohnehin schon seit ein paar Minuten so roch, als bräuchte sie eine neue Windel.
„Ich muss los. Frank kommt gleich von der Arbeit, und wenn ich ihn heute überhaupt noch mal sehen will, ehe er wieder mit Daniel auf Kneipentour geht, dann sollte ich jetzt gehen.“
Ich spürte es mehr, als dass ich es sah, wie Sando ebenfalls aufstand und hinter mich trat.
„He …“, machte er warm und beschwichtigend, dabei drehte er mich zu sich um und sah ernst auf mich herab. „Nun mach dir doch nicht selbst so viel Stress, Carmen. Du willst einen Rat von mir? Dann hör gut zu: Lösch dieses Programm, ehe Cunningham davon erfährt. Und dann sieh zu, dass du deine Ehe rettest! Schnapp dir deinen Offizier, verführe ihn nach Strich und Faden und zeig ihm, dass du mehr zu bieten hast als diese Hayes und LaPlace und irgendwelche Bars. Fessel ihn an dein Bett und lass ihn einfach nicht mehr raus! Ich weiß, dass du das kannst. Schließlich habe ich dir das beigebracht!“
Oh, dieser selbstgefällige, kleine …
Aber ich konnte ihm für diesen Spruch nicht böse sein. Niemand konnte ihm böse sein, wenn er einen mit seinen schwarzen Kohleaugen so ansah und dabei verschmitzt grinste.
Ich seufzte leise auf und zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht hast du Recht.“
„Sicher habe ich das.“
„Okay … danke fürs Zuhören, Sando.“
„Immer wieder gern.“
Ich wandte mich von ihm ab und nahm Valentina auf den Arm, um das Quartier zu verlassen. An der Tür hielt er mich noch einmal auf.
„Wirst du es tun, jeli? Wirst du ihn löschen?“
Ich schüttelte schwach den Kopf. „Nein.“
Er nickte, und wieder schmunzelte er. „Warum hab ich das jetzt gewusst? Wenn du einen Platz zum Schlafen brauchst …“, nachdem Frank mich rausgeworfen hätte, meinte er wohl damit, „ … in meinem Bett ist noch einer frei.“
„Und warum habe ich das jetzt gewusst?“, entgegnete ich mit schiefem Blick. Dann verließ ich Sandos Quartier. Kein bisschen schlauer als zuvor.

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